European Calf Conference

European Calf Conference 12. und 13. März 2020

– ein einfaches und eindeutiges Statement zum Thema Kälbergesundheit – Hygiene, Hygiene, Hygiene!!!

Die diesjährige, 2. European Calf Conference in Bremen hat wohl noch stärker unter dem Einfluss von viralem Infektionsdruck gestanden, als viele Kälber in den Ställen europäischer Milchviehhalter!

Trotzdem haben die Organisatoren nicht zurückgezogen und ihre Konferenz abgehalten. Allerdings mussten sehr viele Absagen von Referenten und Teilnehmern von den Veranstaltern akzeptiert und kompensiert werden.

Für die Unerschrockenen war es aber durchaus eine gelungene Veranstaltung! Viele interessante und wertvolle Berichte von Praktikern, aber auch aktuelle wissenschaftliche Forschungsergebnisse brachten neue Erkenntnisse und wertvolle Informationen!

Dr. Jodi Wallace DVM, MSc ist erfolgreiche Tierärztin und Milchviehhalterin aus Quebec. Ihr Ziel bei dem Bau eines neuen Kälberstalls war es, die  Zero -Zero Strategie in die Realität umzusetzen

– Null Behandlungen – Null Sterblichkeit!

In vier aufeinanderfolgenden Jahren ist es ihr gelungen, diese Strategie erfolgreich umzusetzen. Ihr Anspruch an die Haltung der Neugeborenen entspricht dem einer Säuglingsstation im Krankenhaus! Alle Möglichkeiten Erreger aus anderen Stallbereichen zu den kleinen Kälbern zu tragen ist durch das einhalten strikter Hygieneauflagen möglich: Kleider und Schuhe nur für den Stallbereich, Besen nur zum Futter anschieben, 100% ige Hygiene im Bereich Tränke (ad libitum, angesäuert, MAT und Vollmilch), Wasserversorgung und Futter, offene Boxen, Gang zwischen Außenwand und Box, Einklimastall.

Zusammenfeassend kann man sagen: Hygiene, Hygiene, Hygiene, Kolostrumqualität und -quantität, Stallklima und Belüftung, dann ist eine “Zero -Zero” Strategie problemlos möglich!

Weiterhin sieht Wallace die Gruppenhaltung ab dem ersten Tag als sehr wichtig an! Kälber die nicht allein gehalten werden sind weniger ängstlich, gesünder und vitaler und lernen voneinander. Allerdings gibt es schon für die Jüngsten ad libitum Tränke und immer für 2 Kälber 2 Nuckel!

Ein wichtiger Aspekt der bei der Gruppenhaltung von Saugkälbern ist die Verwendung des passenden Nuckels. Darauf legten mehrere Referenten ihr Augenmerk! Die Tränkgeschwindigkeit ist durch die Auswahl des richtigen Nuckels zu regulieren, ansonsten ist der Saugreflex des Kalbes nicht gestillt und gegenseitiges Besaugen ist die Folge! In Studien hat das Anpassen des Nuckels zu erblicher Reduzierung des gegenseitigen Besaugens geführt. Auch sollten die Tränkemenge pro Portion nicht zu gering sein. Ist der Hunger (Kälber sollten nie Hunger spühren, sondern nur Appetit haben!) nicht gestillt, ist gegenseitiges Besaugen und Abdrängen vom Nuckel die Folge.

Sehr beeindruckende Studien auf dem eigenen Betrieb legte Martin Moos von Hohen Luckow vor! In seinem Stall wurden umfangreiche Studien zu vielen Fragen der Kälberaufzucht und -entwicklung angestellt. Themen wie: Effekte der Länge der Trockenstehperiode, des Erstkalbealters und der Fütterung von Trockenstehern auf die Kolostrumqualität und -menge wurden evaluiert. Der Einfluß des Zeitpunkts der ersten Kolostrumgabe und -qualität auf den Gesamtproteingehalt des Blutes bei neugeborenen Kälbern wurden ermittelt.

Bei über 3000 Abkalbungen pro Jahr kamen sehr beeindruckende Ergebnisse ans Licht.

Martin Moos strebt ein Erstkalbealter von 19 Monaten seiner Färsen an. Dies ist seiner Auffassung nach nur möglich, bei einer optimalen Aufzucht. Der wichtigste Baustein in dieser Zeit ist wiederum die Versorgung der Neugeborenen mit Kolostrum. Das Ergebnis seiner Studien hat folgende Ergebnisse gebracht:

Im Durchschnitt des Betriebes bei über 3000 Abkalbungen ist in weniger als 30 Minuten das Kalb mit pasteurisiertem und nach IgG‘s geprüfter Milch versorgt, mit einer Menge die 10% des Körpergewichts des Kalbes entspricht. Wird die Kuh erst 6h pp das erste Mal gemolken, hat sich der Anteil an IgG‘s bereits um 33% verringert und die Durchlässigkeit der Darmwand für diese großen Proteine fasst vollständig aufgehoben.

Jedes Kalb kommt, ob Sommer oder Winter, unter eine Rotlichtlampe um den Energieverlust zu minimieren. Im Winter gibt es Kälberdecken. Die Länge der Trockenstehperiode wurde auf 60 Tage verlängert, weil die Auswirkung auf Kolostrumqualität und -menge deutlich positiv war.

Damit erreicht der Betrieb Hohen Luckow ein durchschnittliches 60 Tage Gewicht von fast 100 kg/Kalb bei durchschnittlich täglichen Zunahmen von über 900g…

Die Philosophie der Kälberaufzucht in Hohen Luckow  wird durch 5 C’s beschrieben:

  • Colostrum
  • Calories
  • Cleanness
  • Comfort
  • Consistency